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An Türen klopfen

«An Hecken und Zäune gehen»

Seit 1998 ist ein Team der Heilsarmee jede Dienstagnacht rund um die Langstrasse und im Niederdorf in Zürich unterwegs, um mit den Prostituierten und Tänzerinnen aus dem Sexgewerbe auf der Strasse und in den Salons Kontakt aufzunehmen und schon bestehende Kontakte zu vertiefen. Unser Ziel ist es, die Frauen aus ihrer Isolation zu holen und Ansprechpartnerinnen für sie zu sein. Es ist uns wichtig, diesen Frauen, die oft nur als Objekt gesehen werden, mit Würde zu begegnen.

Durch unsere regelmässige Präsenz sind schon viele Beziehungen entstanden. Im Durchschnitt sprechen wir mit 30 Frauen pro Nacht, einige begleiten und beraten wir schon seit Jahren. Milieu-Arbeit ist immer Geduldsarbeit, die viel Respekt, Einfühlungsvermögen und Zeit voraussetzt, da die meisten Frauen in ihren Beziehungen oft missbraucht und enttäuscht wurden. Um so mehr freut es uns, dass das Vertrauen der Frauen gewachsen ist und einige sich öffnen und uns an ihrem Leben, ihren Freuden, Ängsten und ihren Sinnfragen teilhaben lassen. Viele Gespräche drehen sich auch um ganz alltägliche Dinge, da die meisten Frauen ausserhalb ihres Milieus keine Beziehungen haben und sehr einsam sind. Manchmal können wir auch praktische Hilfe leisten oder die Frauen an andere Fachpersonen und -stellen weitervermitteln.

Durch unsere Nachtarbeit spüren wir etwas davon, was es heisst, bei jedem Wetter, bei Kälte, Regen und Schnee nachts unterwegs zu sein. Mit unseren nächtlichen Begegnungen wollen wir ein Stück Weg mit den Frauen gehen. Es ist unser Wunsch, ihnen etwas von Gottes grosser Liebe weiterzugeben und ihnen neue Hoffnung für ihre Zukunft zu machen.

In der Schweiz arbeiten gegen 20'000 Frauen als Prostituierte, alleine in Zürich sind es mehr als 4400 legale Prostituierte, also Frauen, die eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung haben. Dazu kommen viele Illegale, ausländische Frauen ohne Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung, deren Zahl sich nur erahnen lässt, und ca. 300 Cabaret-Tänzerinnen, die in der Praxis meist auch zur Prostitution gezwungen werden. Viele ausländische Frauen sind durch Frauenhandel in die Schweiz gekommen, andere kommen in der Hoffnung, hier eine Arbeitstelle zu finden, und landen schliesslich in der Prostitution. Für viele ausländische Frauen ist das Sexgewerbe die einzige Möglichkeit, ihre Familien im Heimatland zu unterstützen.

Prostitution ist ein knallhartes Geschäft, das viele Opfer fordert. Jede Frau, die im Milieu landet, ob Schweizerin oder Ausländerin, hat ihre ganz eigene Geschichte. Viele dieser Geschichten sind von wirtschaftlicher oder sozialer Not geprägt und die Frauen leben in der ständigen Angst, bedroht, betrogen und misshandelt zu werden.


  Letzte Änderung 02-02-2014 - rahab@rahab.ch